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GentsBox | Anzug ist nicht gleich Anzug
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Wenn du einen Anzug hast, dann hast du nicht gleich einen Anzug.

Der Anzug begleitet uns Männer nun schon seit über einem Jahrhundert. Er hat sich den zeitlichen Epochen immer wieder angepasst und so bis heute in der Modewelt überlebt. Und sollten wir nicht in naher Zukunft in Raumanzügen über den Mars spazieren, wird der „Anzug“ uns auch noch viele weitere Jahrzehnte begleiten.

Im 17. Jahrhundert hatte der Anzug im Kreise des europäischen Adels seine Geburtsstunde und entwickelte sich von da an immer stetig weiter. Der Smoking beispielsweise hat seinen Namen daher, dass er tatsächlich beim Rauchen getragen wurde. Wer heute einen Smoking besitzt, geht damit sehr behutsam um und meidet verrauchte Räumlichkeiten. Mitte des 19. Jahrhunderts trug man den Smoking zum gemeinsamen Rauchen, um die sonstige Kleidung vor dem Rauch zu schützen. So ändern sich also die Zeiten …

Zurück zum Anzug. Als Außenminister Gustav Stresemann 1925 seinen noch bis heute bestehenden eigenen Look kreierte, konnte sich bereits dank der industriellen Massenfertigung so gut wie jeder Mann einen Anzug leisten. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Der Anzug war also von Anfang an auf einem Siegeszug. Wer hätte damals gedacht, dass Menschen eines Tages einem Anzug ihren Fetisch widmen?! Darauf wollen wir jetzt aber nicht näher eingehen …

Im Grunde ist der Anzug das beste Kleidungsstück, was der Männermodewelt passieren konnte. Ob alt oder jung, groß oder klein, dick oder dünn – im Anzug sieht jeder Mann einfach gut aus. Vorausgesetzt natürlich, der Anzug passt auch perfekt. In diesem Punkt haben viele Männer ein echtes Defizit. Das liegt nicht immer an den Männern selbst – meist sind sie beim Kauf eines Anzugs einfach schlecht beraten worden.

Grundsätzlich gilt: einen Anzug bestellt man nicht im Internet! Finger weg von Anbietern, die vermeintliche Maßanzüge verkaufen und euch dazu bringen, euch selbst zu vermessen. Auch wenn der Preis noch so verlockend ist, ihr werdet es am Ende bereuen. Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt! Ein Anzug muss beim Kauf anprobiert werden. Und es erfordert in 98 Prozent der Fälle, dass ein Schneider eine Änderung vornehmen muss. Wer einen gut sitzenden Anzug haben möchte, muss das einkalkulieren und braucht zudem Zeit. Einen Anzug kauft man nicht mal so schnell wie ein T-Shirt. Die Mühe zahlt sich am Ende aus! Versprochen. Damit ihr beim Anzugkauf selbst schon mal einschätzen könnt, wie weit ihr vom perfekten Anzug entfernt seid, hier ein paar kleine Tipps, die euch dabei helfen.

Der Stoff

Heutzutage gibt es die verschiedensten Stoffe, Muster und Farben. Farblich solltet ihr das wählen, was ihr euch zutraut. Ihr wisst ja, mit dem nötigen Selbstbewusstsein kann man alles tragen. Gut beraten seid ihr natürlich, wenn ihr auf die Klassiker zurückgreift. Schwarz, Anthrazit, Dunkelblau oder Braun. Es empfiehlt sich auch, auf Muster zu verzichten – zumindest anfangs. Wenn die Basis dann im Schrank hängt, seid ihr bereit für die „Muster“-Kür. Was den Stoff betrifft, sollte die erste Wahl auf Schurwolle fallen. Das ist das gängigste Material mit einem hohen Tragekomfort, Sommer wie Winter geeignet und perfekt als täglicher Begleiter.

Schurwolle ist knitterarm und daher auch auf Reisen ein guter Begleiter. Der einzige Stoff, der edel knittert, ist Leinen. Diesen Stoff muss man aber mögen. Für heiße Sommertage sorgt beispielsweise ein Leinen-Baumwoll-Mix für einen kühlenden Effekt. Aber auch das kommt erst dann in Frage, wenn die Basis stimmt. Genauso wie Cord oder Wolle für den Winter.

Das Sakko

Der erste Blick des Gegenübers fällt immer auf das Sakko. Menschen bilden sich in nur wenigen Sekunden ein erstes Urteil. Und wir wollen doch nicht, dass uns jemand negativ bwerurteilt, der uns nicht kennt. Die Passform ist das A und O eines jeden Sakkos.

Wenn ihr also einen Anzug von der „Stange“ kauft, dann sollte grundsätzlich die Passform stimmen. Alles andere lässt sich von einem Schneider ändern. Um herauszufinden, ob die allgemeine Passform in Ordnung ist, gibt es einen kleinen Trick. Lehnt euch mit dem angezogenen Sakko mit dem Rücken gegen eine Wand. Jetzt achtet auf die Schulternaht. Berührt diese die Wand vor eurer eigentlichen Schulter, dann ist das Sakko zu breit. Also immer darauf achten, dass die Schulternaht kurz vor euren Schultern endet.

Was die Passform betrifft ist es zudem wichtig, dass das Sakko eng anliegt. Allerdings nicht zu eng. Das ist es dann, sobald die Gefahr besteht, dass euer Gegenüber vom „abfatzenden“ (schwäbisch für abplatzen) Kopf abgeschossen wird. Was aber auch nicht heißt, dass euer Sakko so viel Freiheit bietet, dass ihr damit direkt nach dem Büro ins Fitness-Studio gehen könntet. Das gute Mittelmaß zählt. Alternativ kann ein Schneider das Sakko eurer Taillierung anpassen.

Moderne Sakkos haben einen hohen Armausschnitt. Das sorgt optisch für eine bessere Silhouette. Der Armausschnitt sollte aber keinesfalls störend wirken. Wenn ihr euch eingezwängt fühlt, dann passt das Sakko tatsächlich nicht. Wenn der Armausschnitt passt, dann könnt ihr eure Arme bewegen, ohne dass sie das ganze Sakko mitbewegt.

Über die Armlänge wird immer viel diskutiert. Die einen meinen, es müsse viel von der Manschette (unterer Hemdärmel) zu sehen sein. Andere sind der Meinung, es sollte ein guter Zentimeter sein. Generell gibt es keine feste Regel. Merkt euch einfach: Maximal die halbe Manschette, mindestens ein Zentimeter. Wenn nichts zu sehen ist, ist logischerweise der Ärmel zu lang. Oder aber das Hemd nur kurzärmlig. Das ist übrigens ein absolutes No-Go: Anzug mit Kurzarm-Hemd geht gar nicht!

Weiterhin wichtig ist die Länge des Sakkos. Auch wenn Sakkos heute teils etwas kürzer getragen werden, sollten sie dennoch den kompletten Hintern sowie die Hoseneingriff bedecken. Manche Berater oder Männer selbst meinen, sie könnten einen zu kurzen Oberkörper mit der Sakko-Länge optisch verändern. Das funktioniert nicht wirklich. Wichtig ist eher, dass alles perfekt sitzt. Da spielt die Größe des Oberkörpers keine Rolle mehr. Und wer ein kleines Bäuchlein zu verstecken hat, der kann ruhig mal zum Zweireiher-Sakko greifen. Die doppelte Knopfleiste bewirkt manchmal wahre Wunder.

Die Hose

Die Hose sollte grundsätzlich einen guten Schnitt haben. Der Bund sollte nicht zu locker und nicht zu fest sein. Aktuell sind Anzughosen eher schmal geschnitten. Also auch an den Oberschenkeln. Aber auch hier sollte es nicht nach Presswurst aussehen. Schlabbern soll es aber auch nicht. Ihr müsst euch wohlfühlen. Die Länge muss mit großer Wahrscheinlichkeit vom Schneider angepasst werden. Die aktuelle Mode lässt derzeit kürzere Hosenbeine zu. Aber auch hier ist sicherlich die goldene Mitte der richtige Weg. Damit seid ihr im Trend, aber dennoch zeitlos. Heißt konkret, dass die Hose leicht auf dem Schuh aufliegen sollte, sodass sich ein kleiner Knick bildet. Die Bügelfalte fällt idealerweise übers Knie und läuft nicht nach links oder rechts. Wenn das der Fall ist, hat die Hose mit großer Wahrscheinlichkeit einen Schnittfehler. Also nicht kaufen!

Mit diesen Tipps seid ihr jetzt für den nächsten Anzug-Kauf gut gerüstet. Beste Voraussetzungen für einen perfekten Look, der erst dann perfekt ist, wenn auch die Details, also die Accessoires abgestimmt zum Anzug passen. So lässt sich euer neuer Lieblings-Anzug täglich neu inszenieren. Viel Spaß dabei!

Tipp

In vielen großen Städten gibt es mittlerweile Tailor Stores, in denen ihr euch Anzüge auf den Leib schneidern lassen könnt. Oftmals ist das unwesentlich teurer als ein guter Anzug von der Stange. Dafür aber perfekt auf euren Körper abgestimmt. Informieren lohnt sich!

Zu den weiteren Artikeln aus der 3. Ausgabe 2016