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GentsBox | Im Interview mit Thomas Rath
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Im Interview mit

Thomas Rath

Er ist Modeunternehmer und einer der bekanntesten deutschen Modedesigner. An der Seite von Heidi Klum hat er Germany’s Next Topmodel gesucht und einen Fashion-RATHgeber für Männer veröffentlicht. In GENTS erzählt er, wo er seine Inspirationen findet und wie er der Männer-Modewelt in Deutschland einschätzt.

GENTS: Wann war für dich der Zeitpunkt, an dem du wusstest, dass du Mode machen möchtest?

Thomas: Das war schon so, als ich Kind war. Das war ein Hobby, ein Hobby meiner Eltern, meiner Familie. Mode, Stil, Lifestyle war bei uns ein großes Thema. Es wurde sehr viel Wert darauf gelegt, wobei ich eigentlich einer Unternehmerfamilie entstamme. Mein Vater war ein großer Wurstfabrikant. Das Thema Mode assoziiert man damit nicht sofort, aber da die Familie darauf Wert gelegt hat, hat man mich machen lassen.
Mein Vater hat gut verstanden, dass ich das Unternehmen nicht weiterführen will. Er wollte das ursprünglich auch nicht machen. Bei ihm war das so ein Generationsding – aber er musste es. Also ging ich damals zu großen, namenhaften Modefirmen, wie Windsor, Jil Sander, Mulberry und Escada. Mit „Learning by doing“ habe ich mich durch die Abteilungen gearbeitet. Vom Stofflager bis ins Design. Auch das Zeichnen hab ich mir selbst beigebracht. Und alles mit einer großen Passion. Ich habe jeden begeistert und mich somit nach vorne gearbeitet. Und so ist die Idee entstanden.

GENTS: Im Gegensatz zu vielen Designern bist du ja sehr gut und geschmackvoll gekleidet …

Thomas: Oh ja – ich falle ja auch auf den Stoffmessen auf. Man denkt, dass auf den Stoffmessen nur gut gekleidete Menschen rumlaufen – „Aber: Oh no“. Ich habe darauf schon immer viel Wert gelegt und lebe dies mit großer Leidenschaft. Das hat mich letztlich auch in die Position gebracht, in der ich heute bin.
Meine Handschrift trägt eine Beigene Formsprache für eine klar fokussierte, hochkarätige Zielgruppe. Sie beinhaltet eine gefühlvolle Designvision, welche die Hommage an den unwiderstehlichen Glamour zeitloser Eleganz impliziert. Ein Signature-Mix zwischen feiner Couture und lässiger Sportlichkeit. Der Twist steckt im Detail!

GENTS: Denkst du, dass genau das die Marke „Thomas Rath“ groß gemacht hat?

Thomas: Natürlich! Sowohl die Marke, als auch meine Persönlichkeit als Modeunternehmer und Designer. Ich habe von jeder beruflichen Station für mich etwas mitgenommen. Irgendwann kam dann der Zeitpunkt, da fühlte ich mich reif für ein eigenes Unternehmen und eine eigene Modemarke. Das Wichtigste ist auf jeden Fall „learning by doing“. Und das geht nur, indem man bei guten Firmen arbeitet. Erst zuschauen und lernen ist die Devise.
Hier ein gutes Beispiel: Ich war damals 28 und bin Chef-Designer von Windsor in der DOB (Anm. d. Red.: Damen-Ober-Bekleidung) geworden. Damals waren die Holy-Brüder die Eigentümer. Die gründeten ja auch Hugo Boss. Ist ja gleich bei euch nebenan. Jochen und Uwe Holy waren sehr stilvoll und fashionaffin. Ich bin ihnen auf einer Stoffmesse aufgefallen, als ich noch ein kleines Licht bei Jil Sander am Stand war. Sie fragten auf der Messe alle möglichen Stofflieferanten nach dem jungen Mann. Ich hatte Ludwig-Reiter-Schuhe an, „zu kurze“ Hosen, Kaschmir-Sakkos, bunte Socken und Accessoires am Arm. Nur durch diese Optik bin ich ihnen aufgefallen und sie haben mich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und ich habe den Job bekommen.
Wenn man sich einen Designer für sein Unternehmen sucht, nimmt man natürlich jemanden, der deine DNA versteht und das Thema verstanden hat.

GENTS: Steht für dich nach so vielen Jahren das Thema Mode immer noch im Vordergrund oder ist es inzwischen eher sekundär?

Thomas: Es ist für mich immer noch sehr präsent. Wie das Zähneputzen oder das tägliche Essen. Viele strengen sich mit der Mode an und es ist für sie nicht nachzuvollziehen und tun sich damit schwer: Wie kombiniere ich Mode? Was passt zu mir? Das größte Glück was man ja hat, wenn man seinen eigenen Typ findet. Frauen wie Männer.
Die meisten wissen nicht, was ihnen steht. Sie sind allein gelassen. Sie würden gerne, wissen aber nicht wie sie dahin kommen und brauchen Beratung. Und die Beratung, die ihr macht, ist da natürlich perfekt. Gerade mit dem Magazin – einfach super. Man muss die Menschen an die Hand nehmen und versuchen ihnen zu helfen, ihren Typ zu finden. Dann ist alles einfach. Aber gerade das ist die Schwierigkeit. Es geht nur darum: habe ich MEINEN Typ gefunden?

GENTS: Du bist ja auch nicht gerade jemand, der ein „nacktes“ Sakko trägt. Du ergänzt ja gerne mit Accessoires wie z. B. Einstecktücher etc. Was für eine Rolle spielt das für dich?

Thomas: Erst die Accessoires runden ein Outfit ab. Ein nacktes Outfit was du einfach so anhast, ist halt ein nacktes Outfit. Das ist ja nicht richtig. Die Historie zeigt, dass der Mann immer geschmückt war. Mit Pelzkrägen, mit Schleifen, mit Krawatten, mit Anstecknadeln und mit Schmuck. Der Mann beginnt wieder zu begreifen, dass das Pure sehr langweilig ist. Accessoires wie Gürtel, Strümpfe mit Mustern und Farben sind sehr hilfreich.

GENTS: Wenn man über die Grenzen Deutschlands hinaus schaut, gibt es ja Länder, bei denen Männermode einen sehr hohen Stellenwert hat. Wo liegt die Schwäche der deutschen Männer?

Thomas: Das ist eigentlich keine Schwäche. Es ist eine Sache der Kultur.
In Deutschland setzen viele Männer einfach einen anderen Fokus und kaufen im Grunde genommen Klamotten, die dann als Investition betrachtet werden – so als ob man ein Auto, eine Firma oder ein Grundstück kauft. Also eine Investition für viele Jahre, und so sehen die Klamotten auch aus: Die Anzüge sind viel zu groß, schlabbern, sind an den Ellbogen und am Hosen-Boden leicht blank gescheuert. Da muss ein bisschen mehr Stilbewusstsein her – wie in Italien, zum Beispiel. Da sind die Männer chic, souverän, modern und zeitgemäß.
Für sie sind Mode, Styling, gutes Aussehen und in Shape zu sein ganz besonders wichtig.
Es gibt aber nicht nur die Italiener, selbst die Japaner – was man zuerst nicht glauben würde – sind mittlerweile so stylisch. Gerade das sieht man bei der Männer-Modemesse in Florenz sehr deutlich. Allerdings kann der Italiener Sportlichkeit und Eleganz sehr gut mixen. Der Italiener hat darüber hinaus ein Gefühl für Proportionen. Heißt, das Sakko darf etwas kürzer sein, die Hose darf schmaler sein. Ich habe das letztens wieder in einem Geschäft in Hamburg erlebt: Da hatte ein Mann einen italienischen Anzug mit schmaler Hose anprobiert und meinte nur zur Verkäuferin, dass er doch keine Leggings kaufen wolle. Im folgenden Gespräch mit der Verkäuferin sagte sie mir, dass es so schwer sei, gut geschnittene Anzüge zu verkaufen. Das ist einfach nicht in unserer DNA. Das lässt sich nicht einfach so einhauchen. Es gibt eine schöne Crowd, die das lebt, aber die kommt erst. Wir sind auf einem guten Weg.

GENTS: Wo kommt deine Inspiration für dich her?

Thomas: Unsere Kollektionen stehen für meinen bestimmten Lifestyle. Es sind diese emotionalen Momente zwischen Schönheit und Story. Ein Pool in Palm Springs, ein Garten in Versailles. Ich bin Ästhet und wenn ich etwas sehe, kommt die Idee wie ein Blitzeinschlag. Es muss immer klassisch sein, es darf immer einen kleinen Break haben.
Alles was ich tue, verfolge ich mit einer großen Leidenschaft und Energie. Ich liebe meinen Job. Auch wenn die Zeit drängt zur Kollektionsübergabe, wenn wir unsere aufwendigen Fashionshows planen oder ich über Stunden hinweg live bei QVC meine THOM Kollektion verkaufe. Die Energie kommt von allein. Außerdem sind wir viel zu Hause, dort ist unser Lebensmittelpunkt – neben dem Atelier. Ich entspanne zu Hause beim Kochen. Das geht ganz einfach: raus aus dem Auto, ran an den Herd. Einfach wundervoll!

GENTS: Du machst ja viel für die Frauen-Modewelt. Wie sieht’s denn bei den Männern aus?

Thomas: Der Fokus bezüglich Männermode liegt bei mir nicht so sehr auf Deutschland. Wir sind eher in Italien stark. Das liegt daran, dass wir auch die italienische Schnittführung haben. Unsere Sakkos sind etwas kürzer mit einer höheren Taillierung. Die Hosen sind schmaler und leicht verkürzt. Ohne Kompromisse.
Es ist an der Zeit, so wie ihr das mit der GentsBox macht, die Männer an diesen Look etwas mehr heranzuführen. Vielleicht seid ihr irgendwann mal soweit, ganze Outfits zu verkaufen. Es gibt bereits viele Männer, die das wünschen, aber der Einzelhandel geht noch nicht mit. Das ist das Problem: der Endverbraucher ist schon weiter als der Einzelhändler. Das ist euer Vorteil!

GENTS: Was magst du an deinem Kleidungsstil?

Thomas: Ich bin da sehr easy. Ich stehe auf, schaue in den Schrank und greife das und das und das – und es passt – Punkt. Ich bin da kein großer Spiegelgucker, der viel Zeit dafür braucht.

GENTS: Wie findest du GentsBox?

Thomas: GentsBox gefällt mir wirklich sehr gut. Das Konzept ist sehr stilvoll umgesetzt, genau richtig. Nette, süße Accessoires, absolut wertig mit tollen Produkten und dazu auch noch hübsch verpackt. Der richtige Weg, um den Endverbraucher zu erreichen.
Ein Abo bei der GentsBox hat viele Vorteile. Ich bekomme über die Accessoires hinaus viermal im Jahr ein tolles Magazin mit einem riesigen Mehrwert: Tipps und Anregungen sowie schöne Interviews.

Vielen Dank Thomas Rath für das Gespräch!

Zu den weiteren Artikeln aus der 1. Ausgabe 2016